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Auszug aus dem NDR-Presseheft (19. Juli 2006)

Andreas Pietschmann ist Eric Gassinger
Andreas Pietschmann, 1969 in Würzburg geboren, war eigentlich fest entschlossen, Fußballer zu werden – und bis in die dritte Liga hatte er es auch geschafft. Seine Liebe zum Schauspiel entdeckte er erst, als er sich zum Ausgleich zu seiner Bundeswehrzeit einer Theatergruppe anschloss. Zunächst studierte er dennoch (Anglistik und Romanistik) und bewarb sich erst nach seiner Zwischenprüfung an der Universität,– inzwischen 24-jährig – mit Erfolg an der renommierten Bochumer Schauspielschule. Von 1993-1996 absolvierte er dort sein Schauspielstudium, an dessen Abschluss sich direkt ein Festengagement am Schauspielhaus Bochum anschloss, während dessen er u. a. mit Leander Haußmann, Jürgen Kruse, Christina Paulhofer und Werner Schroeter arbeitete. Zur Spielzeit 2000/2001 wechselte Andreas Pietschmann ans Hamburger Thalia Theater, wo er unter vielen anderen mit den Regisseuren Stephan Kimmig, Martin Kusej und Armin Petra zusammenarbeitete.

Mitte 2004 verließ er das feste Thalia-Ensemble, um „andere Abenteuer“ wie Gastverträge in Bochum und Zürich, Lesungen, Hörbücher, Hörfunk und natürlich Film- und Fernsehangebote zu erleben. Film- und Fernseherfahrungen sammelte er immer schon parallel zum Theater, so zum Beispiel in der deutschen Kinoproduktion „Echte Kerle“ (1996, Regie: Rolf Silber), „Schimanski – Das Rattennest“ (1998, Regie: Hajo Gies) „Sonnenallee“ (1999, Regie: Leander Haußmann) oder „Traumprinz in Farbe“ (2002, Regie: Oliver Dommenget).
 
In der seit Mitte 2004 intensivierten Film- und Fernseharbeit dreht Andreas Pietschmann unter anderem in einer durchgehenden Rolle an der Seite von Udo Kier in der erfolgreichen ARD-Kinderserie „4 gegen Z“, drehte in der männlichen Hauptrolle in Christian Görlitz´ dramatischer Liebesgeschichte „Die Verlorenen“ nach Hans-Jörg Schertenleibs Roman „Die Namenlosen“, im archaischen Familiendrama „Apollonia“ (2005, Regie: Bernd Fischerauer), für Buket Alakus ZDF-Film „Schnee im Sommer“ (Ausstrahlung 2006), die Kinofußballkomödie „FC Venus“ (2006, Regie: Ute Wieland) und zum Jahreswechsel 2005/2006 in der Regie von Carlo Rola für den Rosa Roth- Dreiteiler „Sechs Tage zuviel“ in Berlin. Aktuell steht er für die brandneue SAT1-Serie „Die Spezialeinheit“ (AT) in einer der Hauptrollen vor der Kamera.

Gespräch mit Andreas Pietschmann

„Das ist ja auch das Spannende an meinem Beruf, dass ich manchmal in die Notwendigkeit gerate, mir Dinge anzueignen, die ich zunächst nicht kann“

Sie spielen in „Die Verlorenen“ den Straßenkünstler Eric, der in Spanien auf Krista trifft und sich in sie verliebt. Wie würden sie Eric beschreiben?

Eric ist ein entwurzelter Mensch, der in den Tag hinein lebt, ohne viele soziale Bindungen zu haben. Er lebt von der Hand in den Mund, eine Mischung aus Bohèmien und Taugenichts. Er scheint dies allerdings nicht ganz freiwillig zu tun, sondern er macht das deshalb, weil er in seinem vorherigen Leben nicht zu recht gekommen ist.

Dennoch scheint Eric sein Leben in völliger Freiheit zu genießen... 
Man kann natürlich immer aus der Not eine Tugend machen, und dies tut er auch. Auch wenn er vielleicht eine Trauer in sich trägt, die aus seiner Vergangenheit herrührt, ist er auf jeden Fall ein positiver Mensch, der versucht, das Beste aus allem zu machen. Er lebt ein Leben in großer Unabhängigkeit, aber gleichzeitig auch ein Leben in großer Unsicherheit.

Wäre dies ein Lebenskonzept, dass Sie sich für sich selbst vorstellen könnten? 
Davon träumen wir doch alle: möglichst unser soziales Umfeld nicht verlassen, trotzdem in der Lage zu sein, in den Tag hinein zu leben. Klar, das wäre schon schön, doch man ist sozial schnell so stark gebunden und steckt in Strukturen, dass es sehr schwer fällt, dies zu tun. Diese Ahnung von Abenteuer, Ungewissheit und Freiheit, das reizt mich dennoch natürlich sehr.

Für Eric steckt Krista voller Geheimnisse und Widersprüche, dennoch hält er zu ihr. Warum? 
Er hat sich wirklich verliebt in diese Frau und versucht natürlich – um sie zu gewinnen und bei sich zu halten -, die größtmögliche Behutsamkeit an den Tag zu legen. Er hat einen ganz tiefen Instinkt dafür, dass eine Frage zuviel ein „Fauxpas“ wäre und ihm Nachteile verschaffen würde bzw. er Krista dadurch verlieren könnte. Er spürt, dass Krista ein Geheimnis mit sich trägt, aber ohne es auszusprechen, treffen sie quasi die Verabredung, dass das ein Tabuthema ist und darüber nicht gesprochen wird. Erst am Ende, als es um Leben und Tod geht, beginnt Eric, Fragen zu stellen. Es ist etwas, was Menschen sehr verbindet, wenn sie unausgesprochen Verabredungen treffen, bestimmte Dinge auszuklammern. Außerdem interessiert man sich für Menschen viel mehr, wenn man merkt, die tragen ein Geheimnis mit sich. Man könnte ihm natürlich auch Feigheit vorwerfen, weil er spürt, dass es sie auseinander bringen könnte, sobald er danach fragen würde. Ich denke, es gefällt ihm so, weil er auch eine romantische Ader in sich trägt.

Später in Deutschland scheint Eric sein Leben als Weltenbummler aufgegeben zu haben, er wirkt ruhiger und sesshafter – war es schwierig, beide Seiten dieses Charakters glaubwürdig zu spielen?
Für mich als Schauspieler war es reizvoll, eine Figur zu zeichnen, die sich nicht nur über einen kurzen Zeitraum erstreckt. Durch den Zeitsprung hatte ich die Möglichkeit, ohne plakativ zu werden, innere Veränderungen zu spielen. Diese Veränderungen wurden bei Eric durch das gewaltsame Herausreißen aus einer Beziehung hervorgerufen. Unterstützt wurde das auch durch die andere Umgebung: Es ist ein Riesenunterschied, ob man im Spätsommer in Spanien dreht oder ob man in einer Schweinekälte in St. Peter Ording am Strand steht und die Haare vom Kopf geblasen kriegt. Dadurch konnte ich leichter auch eine ganz andere innere Temperatur für die Figur anlegen.

Wie war ihre Zusammenarbeit mit Karoline Eichhorn?
Super! Wir haben uns blendend verstanden, wir haben schon in anderen Projekten zusammen gearbeitet. Dazu kam, dass uns beiden immer wieder von Produzenten oder Regisseuren gesagt wurde, dass wir wie Geschwister aussehen und dringend mal zusammen spielen sollten. Wir hatten sehr schnell eine gute Verbindung zueinander, fast schon wie Krista und Eric in der Geschichte, ohne darüber viel reden zu müssen - wir mochten uns einfach. Karoline ist eine ganz tolle Instinkt-Schauspielerin, die eine wahnsinnige Tiefe und Ausstrahlung hat, ich schätze sie als Kollegin sehr!

Sie spucken im Film Feuer und jonglieren – mussten Sie diese Dinge für den Film erlernen?
Ja, das habe ich extra für den Film gelernt! Als Christian Görlitz mir sagte, dass ich die Rolle spiele, ist er natürlich davon ausgegangen, dass diese Dinge gedoubelt werden. Ich stehe aber auf dem Standpunkt, so viel wie möglich selber machen zu wollen - das ist ja auch das Spannende an meinem Beruf, dass ich manchmal in die Notwendigkeit gerate, mir Dinge anzueignen oder zu lernen, die ich zunächst nicht kann. Ich habe im Internet recherchiert, wo man Jonglieren lernen kann und bin darauf gestoßen, dass in Italien ein großes Jonglier-Treffen stattfindet. Ich habe mich dann ins Auto gesetzt, bin dort hingefahren und habe drei Tage mit Straßenkünstlern aus ganz Europa unter freien Himmel geschlafen und mir einen Lehrer gesucht und geübt. Gefunden habe ich einen Deutschrumänen, der dann sowohl mein Lehrer wurde als auch im Film für die ganz gefährlichen Sachen, die ich nicht erlernen konnte, mein Double war.

Neben der Fernseh- und Theaterarbeit wirken Sie auch in zahlreichen Rundfunkproduktionen mit – was ist das reizvolle daran?
Was ich daran sehr schätze ist, dass du andere Mittel benutzt. Im Theater und Film hat man die Möglichkeit, mit Gestik, Mimik oder der Physis zu arbeiten, wenn du Hörfunk machst oder Hörbücher liest, bist du dieser Möglichkeit völlig beraubt. Es gibt keine Tricks, wenn man sich unsicher fühlt, hier noch ein bisschen mit dem Gesicht oder mit dem Körper zu übertünchen, es zählt nur allein die Stimme. Ich empfinde diese Reduktion im Ausdruck als Bereicherung, weil man nicht betrügen kann, man kann nicht schummeln! Ich mag das sehr gerne.

In welchen Produktionen sind Sie demnächst zu sehen?
Gerade kommt „FC Venus“ raus, eine Kino-Fußballkomödie, produziert von „Wüstefilm“. Parallel läuft die Kinderserie „4 gegen Z“, in der auch Karoline spielt. Dann spiele ich noch in „Fremder Bruder“, einem Film von Robert Steudtner. Im Laufe des Jahres wird der ZDF-Film „Schnee im Sommer“ von Buket Alakus zu sehen sein. Und momentan stehe ich für SAT1 vor der Kamera und spiele dort in einer neuen Serie „Die Spezialeinheit“, da geht es um eine Eliteeinheit der GSG9.
(Quelle: NDR-Presseheft zum Film)

 
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